Sommerpause
Zwischen dem 6. August 2026 und dem 25. August 2026 bleibt die Sammlung Zander geschlossen. Wir freuen uns, Sie ab dem 5. September 2026 zu unserer Ausstellung Adalbert Trillhaase wieder bei uns begrüßen zu dürfen.
AUSSTELLUNG 9
Adalbert Trillhaase
5.9.2026 – 17.10.2026
Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 4. September 2026, von 18 – 21 Uhr laden wir Sie herzlich ein.
Die Ausstellung wird im Rahmen der diesjährigen DC Open eröffnet. Öffnungszeiten: Samstag, den 5.9. von 13–19 Uhr und Sonntag, den 6.9. von 13–17 Uhr
Der Mensch steht im Mittelpunkt von Adalbert Trillhaases Gemälden und Zeichnungen. Er zeigt ihn in Porträts oder in Beziehung zu seiner Umwelt: seine Tochter als moderne Frau, den eleganten Fahrgast und seinen Kutscher im Kampf gegen ein Rudel Wölfe, den Zauberer, der ein Wildschwein und einen Hund zu beschwören scheint. Kunst und Wissenschaft erscheinen allegorisch in menschlicher Gestalt. Mit großer Sorgfalt modelliert Trillhaase die feinen Gesichter seiner Figuren; ihre Körperhaltungen sind dynamisch und präsent. Sie wirken rührend, anmutig, tänzerisch. So verleiht er jeder einzelnen seiner Figuren eine eigene Persönlichkeit und hebt ihre Individualität hervor. Mal sind sie in detailreichen Landschaften eingebettet, mal vor skizzenhaft angedeuteten Szenerien oder ganz ohne räumlichen Kontext dargestellt. Ihre freie Anordnung und die Dynamik seiner Kompositionen verdichten die erzählerische Wirkung seiner Werke.
1858 wird Adalbert Trillhaase in Erfurt als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre versucht er sich zunächst an wechselnden Orten als Geschäftsmann. So betreibt er eine Leinenweberei und ist Eisenfabrikant – Unternehmungen, die erfolglos bleiben. Nach dem Tod des Schwiegervaters erbt seine Frau Häuser und Liegenschaften, deren Verwaltung Trillhaase übernimmt und die die Familie finanziell unabhängig machen. 1920 ziehen sie in ein Haus am Hindenburgwall in Düsseldorf. Es liegt nur wenige Schritte entfernt von Johanna Eys Galerie Junge Kunst – Frau Ey, die im Mittelpunkt des Jungen Rheinlands steht – einer Künstler:innenvereinigung, deren Mitglied Trillhaase später wird.
Trillhaase ist bereits 60 Jahre alt, als er zu malen beginnt. Seine ersten Bilder zeigen Jäger und röhrende Hirsche, die schnell biblischen Szenen, Motiven aus weit entfernten Ländern und Porträts weichen. In der Literatur zu Trillhaase kommt dem Künstler Otto Pankok meist die Rolle seines „Entdeckers“ zu: Der Legende nach beobachtet Pankok, wie Trillhaase an seinem Sekretär sitzt, sinnierend die Maserung des Holzes betrachtet und darin Bilder erkennt. Er ermutigt ihn demnach auch, die Bilder nicht nur im Holz zu suchen, sondern sie selbst zu malen. Allein das Pathos dieser Erzählung lässt sie unglaubwürdig erscheinen. Durch zwei Veröffentlichungen prägt Pankok die Rezeption Trillhaases, in denen er den stilistisch fragwürdigen Vergleich zu Henri Rousseau aufmacht und ihn damit in den Kontext der sogenannten „Naiven Kunst“ stellt.
Glaubhafter sind die Schilderungen von Trillhaases Tochter Felicitas Haller, selbst Künstlerin und Teil der Rheinischen Expressionisten um den Galeristen Alfred Flechtheim. Bereits 1918 erkennt sie die Qualität in seinen ersten Werken und bringt ihn mit den Akteur:innen der Düsseldorfer Kunstszene in Verbindung.
Schon zu Beginn ist Trillhaase aktives Mitglied und fester Bestandteil des 1919 gegründeten Jungen Rheinlands. Sein Werk verkörpert jene Vorstellungen, nach denen die Künstler:innenvereinigung strebt: Auf der Suche nach einer neuen Kunst bricht sie mit den akademischen Konventionen, um eine offenere, freiere Form künstlerischer Gestaltung zu ermöglichen. Es entsteht eine persönliche Verbundenheit zwischen Trillhaase und den Künstler:innen, die sich in zahlreichen Porträts – wie im Gemälde Die Familie des Malers Adalbert Trillhaase (1923) von Otto Dix und in Arthur Kaufmanns Gruppenporträt Die Zeitgenossen (1925) – zeigt. Zugleich setzt sich Trillhaase mit den expressionistischen und dadaistischen Strömungen seiner Zeit auseinander. Seine Bildsprache wird zunehmend expressiver und surrealer: Die Figuren erscheinen immer häufiger in übersteigerten Haltungen, während sich die räumliche Ordnung auflöst oder gänzlich verschwindet. Die Freiheit, die Trillhaase sich in seiner Kunst nimmt, begeistert seine Zeitgenoss:innen.
Das Junge Rheinland und seine Nachfolgegruppen wie die Rheinische Sezession und die Rheingruppe verzeichnen zeitweise über 400 Mitglieder. Zu seinen prägendsten Figuren gehören Künstler:innen wie Otto Dix, Max Ernst, Marta Hegemann, Arthur Kaufmann und Gert Heinrich Wollheim, aber auch Kunsthistoriker:innen und Kunsthändler:innen wie Walter Cohen, Johanna Ey und Alfred Flechtheim.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird das Junge Rheinland gleichgeschaltet und in staatliche Organisationen überführt. Das Schicksal der Mitglieder verläuft unterschiedlich: Sie emigrieren oder leisten Widerstand – einige werden verhaftet und interniert. Andere passen sich an das neue System an. 1933 werden auch Trillhaases Arbeiten von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft und er mit einem Malverbot belegt. Sein Werk Spanierinwird aus den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf beschlagnahmt und vernichtet. Möglicherweise handelte es sich um ein Bildnis von Johanna Ey, die sich häufig in traditionellen Gewändern als Spanierin porträtieren ließ. Adalbert Trillhaase zieht sich 1935 nach Niederdollendorf bei Königswinter zurück, wo er 1936 stirbt.
Seine Tochter Felicitas Haller rettet sein Werk 1939 zunächst nach Frankreich und anschließend in die Schweiz. Unmittelbar nach Kriegsende widmet sie ihrem Vater eine Ausstellung in ihrer Zürcher Galerie. Heute sind etwa 75 Gemälde und 250 Zeichnungen von Adalbert Trillhaase bekannt.
Trillhaase nimmt zu Lebzeiten an zahlreichen Gruppenausstellungen des Jungen Rheinlands teil. Nach der Zäsur durch den Zweiten Weltkrieg ist er bis heute nur vereinzelt in diesem Kontext zu sehen und wird ab dann in Ausstellungen zur sogenannten „Naiven Kunst“ gezeigt. 1949 ist er in der Ausstellung Moderne primitive Maler in der Kunsthalle Bern sowie 1974/75 in der Ausstellung Die Kunst der Naiven im Haus der Kunst München und im Kunsthaus Zürich vertreten.
Bereits 1977 erwirbt Charlotte Zander erste Arbeiten von Adalbert Trillhaase und stellt sie auf internationalen Messen aus. Die drei Gemälde, fünfzehn Zeichnungen und eine Druckgrafik, die sich heute in der Sammlung Zander befinden, stehen exemplarisch für die Themen des Künstlers.
Die Ausstellung wird kuratiert von Lisa Arndt und Mathis Henne.
Charlotte zander:
Sammlerin, galeristin, museumsgründerin
10.10.25 – 25.9.26
Foto: ZADIK E 9, Archiv Charlotte Zander, Fotograf:in unbekannt
Zur Eröffnung der Ausstellung im ZADIK am Freitag, den 10. Oktober 2025 von 19–21 Uhr laden wir Sie herzlich ein.
Die Ausstellung wird ebenfalls vom 6. bis zum 9. November im Rahmen der diesjährigen ART COLOGNE gezeigt.
Charlotte Zander (1930–2014) begann ihren Weg im Kunstbetrieb zunächst als Sammlerin. Sie baute ab Mitte der 1960er Jahre ihre Sammlung mit Werken von Künstler:innen auf, die an keiner Kunsthochschule studiert haben – damals sogenannter „Naiver Kunst“. Daraus hervorgehend gründete sie 1971 die Galerie Charlotte – Galerie für naive Kunst in München, welche bis 1995 Bestand hatte. Im Anschluss eröffnete sie 1996 ihr privates Museum in Schloss Bönnigheim, präsentierte hier ihre Sammlung, organisierte Ausstellungen und verfolgte Kooperationen mit internationalen Kulturinstitutionen.
Die Ausstellung im ZADIK beleuchtet die Lebensstationen der Sammlerin, Galeristin und Museumgründerin. Wie gestaltete Charlotte Zander die verschiedenen Rollen aus, die sie im Laufe ihres Lebens einnahm? Wie ging sie vor, um den von ihr geschätzten künstlerischen Positionen Sichtbarkeit zu verschaffen? Wie funktionierte ihr Netzwerk mit Künstler:innen und weiteren Akteur:innen des Kunstbetriebs? Welche gemeinsamen Projekte, Austauschbeziehungen und Diskurse gab es? Die Ausstellung regt auch zu einer kritischen Auseinandersetzung mit historischen, häufig stigmatisierenden Begrifflichkeiten an. Und sie zeigt, wie die Sammlung Zander ihr Erbe in die Zukunft trägt.
RSVP bis zum 6.10.25 an lbeugel1@uni-koeln.de
ZADIK | Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung
Im Mediapark 7
50670 Cologne
Große Kooperation zur Kunst der Autodidakt:innen und Outsider Art in Köln. Kunst- und Museumsbibliothek und ZADIK erhalten bedeutende Schenkungen der Sammlung Zander
1997 erhielt Charlotte Zander als erste Frau den ART COLOGNE-Preis für ihr beeindruckendes Engagement für die „Naive Kunst“. 28 Jahre später werden in einem Dreiklang die Dokumentation und Forschung rund um die Kunst der Autodidakt:innen und die Outsider Art in Köln nachhaltig verankert: Im Herbst letzten Jahres hat die gemeinnützige Sammlung Zander einen Ausstellungsraum in Köln eröffnet, in dem regelmäßig Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung stattfinden. Susanne Zander spendet nun die international einzigartige Spezialbibliothek zum Themenfeld der Sammlung Zander der Kunst- und Museumsbibliothek Köln (KMB), diese ist ab sofort dort für Recherchierende nutzbar. Das Archiv von Charlotte Zander als Sammlerin, Galeristin und Museumsgründerin schenkt sie dem ZADIK, wo es für die Forschung erschlossen wird. Geplant ist eine Themenausstellung des ZADIK für das Jahr 2025.
Nadine Oberste-Hetbleck, ZADIK-Direktorin, freut sich: „Mit dem umfangreichen Archivbestand zur Arbeit von Charlotte Zander besitzt das ZADIK nun einen hochkarätigen Quellenfundus, der Einblicke seit Beginn ihrer Sammlungsaktivitäten in den 1950er Jahren gibt. Da sie ihre persönliche Leidenschaft auch zum Beruf machte und als Galeristin sowie später als Museumsgründerin in Erscheinung trat, können wir anhand des Archivs auch Informationen zu den internationalen Netzwerken des Handels und der Museen zur ‚Naiven Kunst‘ erhalten.“
Susanne Zander, Geschäftsführerin der Sammlung Zander, ist überzeugt, dass durch die Schenkungen neue Möglichkeiten für die Forschung und Sichtbarkeit der Kunst der Autodidakt:innen und Outsider Art geschaffen wurden: „Es ist ein Ziel unserer Arbeit mit der Sammlung Zander, die akademische Auseinandersetzung mit dieser Kunst zu ermöglichen und zu fördern. Wir wollen Köln als zentralen Standort für diese Forschung etablieren. Die Schenkung, die auch meine persönliche umfangreiche Bibliothek zur sogenannten Outsider Art umfasst, ist ein Schritt dahin. Wir entwickeln außerdem mit der Sammlung neue Projekte, die unsere Ausstellungen diskursiv und wissenschaftlich erweitern und verhandeln.“
Elke Purpus, Direktorin der KMB, lädt alle Interessierten zur Recherche ein: „Wir konnten bereits 2.449 Publikationen in unserem Online-Katalog erfassen – die Arbeiten sind so gut wie abgeschlossen. Wir freuen uns auf zahlreiche Nutzer:innen der Bibliothek Zander.“
Das Modell, Archiv und zugehörige Spezialbibliothek in Köln zu verankern, haben das ZADIK und die KMB bereits in mehreren Fällen erprobt und sehen dies als zukunftsweisendes Konzept: „Ein kurzer Weg liegt nur zwischen den beiden Institutionen, der Forscher:innen bestmögliche Zugänge zu zusammenhängenden Beständen ermöglicht: Das möchten wir weiter ausbauen.“