AUSSTELLUNG 8
SAVA SEKULIĆ
25.4.2026 – 18.7.2026
Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 24. April 2026, von 18 – 21 Uhr laden wir Sie herzlich ein.
Menschen sind Lehrer, Erzieher und Eltern, aber keine Schöpfer.
Ich bin weder Meister noch Schöpfer meines eigenen Werkes.
Die Natur ist die Schöpferin, und sie spricht durch mich.
Sava Sekulić ist Maler und Dichter.
Die Erinnerungen an seine Kindheit prägen seine Werke: Porträts der Familie, der Nachbar:innen und Volksheld:innen, deren Geschichten in der Dorfgemeinschaft weitergetragen wurden. Sie zeigen die Tiere, die ihn umgaben, nährten oder mit denen er unter einem Dach lebte – Pferde, Ochsen, Kühe, Ziegen und Schweine –, und Pflanzen. Pflanzen, zwar ohne Blüten, aber in sattem Grün und voller Leben. Häufig lässt er Mensch, Tier und Pflanze ineinanderfließen, um sie dann zu einem Ganzen zu verschmelzen. Sekulić zeigt eine Gemeinschaft, die nur im Zusammenspiel aller funktioniert und so ihre Stärke entwickelt.
Im Gegensatz dazu stehen seine architektonischen Darstellungen: Sie entspringen nicht der Erinnerung, sondern entsprechen seiner Vorstellung von Städten. Große Wohnkomplexe, die an Betonwüsten erinnern, sind in Form ihrer Namen dargestellt: New York, Rom oder London. Seltener erscheinen sie in Gestalt eines Tieres, etwa eines Hirsches. Es mag Sekulićs Versuch sein, die kalten Architekturen zum Leben zu erwecken. Doch auch in lebendiger Form bleiben die Gebäude unbewohnt und anonym.
Warum habe ich angefangen zu schreiben?
Und warum habe ich mich entschlossen, geboren zu werden?
Meine Poesie entspringt der Natur.
Mit 30 Jahren bringt sich Sekulić selbst das Lesen und Schreiben bei. Sein Lernen ist nicht durch schulische Struktur geprägt, sondern vollzieht sich durch das Sprechen selbst: Sekulić schreibt, wie er hört. Seine Texte entwickeln so eine eigene, direkte Poesie, in der die Unmittelbarkeit des gesprochenen Wortes und des eigenen Denkens nachklingt. Sprache und Schreiben entwickeln eine zentrale Rolle in seinem Werk. Jedes Gemälde versieht er mit einem Text, der sich meist auf der Rückseite des Bildes befindet. Zeichnungen sind oft auf beiden Seiten vollgeschrieben – mit Gedichten und Gedanken, die er assoziativ aneinanderreiht und die ihm als Vorlagen für seine Gemälde oder weitere Gedichte dienen.
Selbst die Anmut hat mein Leben vergiftet.
Sava Sekulić wird 1902 in Bilišane, einem kleinen Dorf im Königreich Dalmatien (heute Kroatien) geboren – inmitten von Wiesen, Wäldern, Seen und ganz in der Nähe des Meeres. Als Kind hütet er das Vieh, eine Schule besucht er nicht. Als er 10 Jahre alt ist, stirbt der Vater. Zuvor gibt er ihm noch mit, er möge sich selbst unterrichten im Zeichnen und Schreiben – vielleicht hat er da bereits die besondere Begabung seines Sohnes erahnt. Für Sekulić sind die Worte des Vaters wegweisend und werden ihn ein Leben lang begleiten. Seine Mutter heiratet erneut und er wächst bei Verwandten auf. Mit nur 14 Jahren wird Sekulić in den Ersten Weltkrieg eingezogen, um an der Seite von Ungarn und Österreich gegen Italien zu kämpfen. Bei Kampfhandlungen erleidet er so schwere Verletzungen, dass er 1918 auf dem rechten Auge erblindet nach Hause zurückkehrt. In seinem Dorf ist er nicht mehr willkommen. Mittlerweile ist es von den Italienern besetzt. Sekulić verlässt seine Heimat und begibt sich auf Wanderschaft. Es folgt ein bewegtes Leben voller Entbehrungen und Schicksalsschläge. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er durch unterschiedliche Tätigkeiten: als Tagelöhner, Knecht, Holzfäller, Maler und schließlich als Maurer. Wahrscheinlich entstehen Anfang der 1930er-Jahre seine frühesten Gedichte – etwa zeitgleich mit dem Tod seiner ersten Frau und des gemeinsamen Kindes. Bald darauf beginnt er zu malen. Im Jahr 1943 gehen bei seinem Umzug nach Belgrad alle bis dahin entstandenen Werke verloren.
Nach seiner Pensionierung 1962 kann er sich endlich ganz seiner Kunst widmen und verbringt ganze Nächte mit Schreiben und Malen. Sekulić schafft ein dichtes und intensives Werk, bestehend aus Malereien, Objekten, Zeichnungen, Skizzen und Schriften. 1964 wird er Mitglied im Belgrader Kultur- und Künstlerverein und nimmt an den jährlichen Ausstellungen in der Galerie der dortigen Universität Đuro Salaj teil – einer Einrichtung, die in Jugoslawien der Weiterbildung und Förderung der Arbeiter:innenklasse diente. 1968 wird Sekulić dort für seine Werke mit dem ersten Preis ausgezeichnet – es ist dieser Moment, der den Beginn seiner Laufbahn als Künstler markiert. Fortan werden seine Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt; zunächst an Ausstellungsorten in Jugoslawien und ab 1986 international in München, London oder New York.
Warum habe ich angefangen zu malen?
Ich wollte auf diese Weise den Menschen, die mich verachtet und verspottet haben, zeigen, was ich im Sinn habe.
Deshalb habe ich geschrieben und gemalt, nicht auf die Art anderer, sondern auf meine eigene.
Zeit seines Lebens signiert der Künstler mit den kyrillischen Buchstaben CCC, gleichbedeutend mit Sava Sekulić Autodidakt. Sekulić stirbt 1989 in Belgrad.
Charlotte Zander wird 1978 durch den kroatischen Kunsthistoriker Vladimir Crnković auf Sava Sekulić aufmerksam und beginnt seine Arbeiten konsequent zu sammeln und auszustellen. Im Jahr 1993 gibt sie das umfassende Werksverzeichnis seiner Gemälde heraus. Mit mehr als 1.000 Arbeiten befindet sich heute ein Großteil des Œuvres in der Sammlung Zander.
Gefördert durch:

Passages
14.3. – 17.5.2026
Nat Faulkner | Solomon Garçon | Keta Gavasheli | Gaylen Gerber mit Leah Ke Yi Zheng | Hervé Guibert | Nour Mobarak | Henrik Olesen | B. Ingrid Olson | Anastasia Pavlou | Matthew Peers | Cora Pongracz | Pope.L | Ariana Reines und Oscar Tuazon | Dieter Roth | Sava Sekulić
Passages ist eine Ausstellung über die Veränderlichkeit von Materie und Form. Während sich Fragen zu Form häufig darauf beziehen, wie Material in eine Form gebracht wird, widmet sich die Ausstellung zugleich der existentiellen Dimension, die einem erweiterten Formbegriff innewohnt. Der Moment, in dem etwas Gestalt annimmt, ist oft zugleich der Moment, in dem eine Existenz bzw. Präsenz angedeutet wird, während umgekehrt die Auflösung oder Aufhebung einer Form häufig mit einem Verschwinden, Verlust oder gar einer Zerstörung einhergeht. In der Ausstellung wechseln sich Momente der Formwerdung und der Formauflösung ab; es werden Werke gezeigt, die sich weder als vollständig «stabile Form» noch als formlos fassen lassen, sondern in einem Zustand des Dazwischen existieren. Sie schaffen Form und deuten gleichzeitig die Möglichkeit ihrer Auflösung an, als würden sie eine grundlegende Instabilität spiegeln. Auch wenn in der Ausstellung Objekte zu sehen sind, liegt der Fokus weniger auf einer festen Gestalt als auf einer Verschiebung und dem Potential einer Transformation. Materie wird als ein Ort der Wandlung betrachtet, einschliesslich körperlicher und psychischer «Materie». Im Zentrum stehen Werke, die von einer Zustandsveränderung handeln – von einem Material in ein anderes, von einer Zeitlichkeit in eine andere, von einer Erscheinungsform in eine andere. Manchmal sind es anarchische und zersetzende Kräfte, die diese Transformation bewirken, und manchmal auch nur die vergehende Zeit und mit ihr eine Art von «Verwitterung» und Vergänglichkeit.
Kuratiert von Kathrin Bentele. Als Leihgabe aus der Sammlung Zander ist die Arbeit Die Armee des Generals Franchet d’Espèrey (1976) von Sava Sekulić zu sehen.
Kunsthalle Friart Fribourg
Petit-Rames 22
Postfach 294
1701 Fribourg
Schweiz
Charlotte zander:
Sammlerin, galeristin, museumsgründerin
10.10.25 – 25.9.26
Foto: ZADIK E 9, Archiv Charlotte Zander, Fotograf:in unbekannt
Zur Eröffnung der Ausstellung im ZADIK am Freitag, den 10. Oktober 2025 von 19–21 Uhr laden wir Sie herzlich ein.
Die Ausstellung wird ebenfalls vom 6. bis zum 9. November im Rahmen der diesjährigen ART COLOGNE gezeigt.
Charlotte Zander (1930–2014) begann ihren Weg im Kunstbetrieb zunächst als Sammlerin. Sie baute ab Mitte der 1960er Jahre ihre Sammlung mit Werken von Künstler:innen auf, die an keiner Kunsthochschule studiert haben – damals sogenannter „Naiver Kunst“. Daraus hervorgehend gründete sie 1971 die Galerie Charlotte – Galerie für naive Kunst in München, welche bis 1995 Bestand hatte. Im Anschluss eröffnete sie 1996 ihr privates Museum in Schloss Bönnigheim, präsentierte hier ihre Sammlung, organisierte Ausstellungen und verfolgte Kooperationen mit internationalen Kulturinstitutionen.
Die Ausstellung im ZADIK beleuchtet die Lebensstationen der Sammlerin, Galeristin und Museumgründerin. Wie gestaltete Charlotte Zander die verschiedenen Rollen aus, die sie im Laufe ihres Lebens einnahm? Wie ging sie vor, um den von ihr geschätzten künstlerischen Positionen Sichtbarkeit zu verschaffen? Wie funktionierte ihr Netzwerk mit Künstler:innen und weiteren Akteur:innen des Kunstbetriebs? Welche gemeinsamen Projekte, Austauschbeziehungen und Diskurse gab es? Die Ausstellung regt auch zu einer kritischen Auseinandersetzung mit historischen, häufig stigmatisierenden Begrifflichkeiten an. Und sie zeigt, wie die Sammlung Zander ihr Erbe in die Zukunft trägt.
RSVP bis zum 6.10.25 an lbeugel1@uni-koeln.de
ZADIK | Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung
Im Mediapark 7
50670 Cologne
Große Kooperation zur Kunst der Autodidakt:innen und Outsider Art in Köln. Kunst- und Museumsbibliothek und ZADIK erhalten bedeutende Schenkungen der Sammlung Zander
1997 erhielt Charlotte Zander als erste Frau den ART COLOGNE-Preis für ihr beeindruckendes Engagement für die „Naive Kunst“. 28 Jahre später werden in einem Dreiklang die Dokumentation und Forschung rund um die Kunst der Autodidakt:innen und die Outsider Art in Köln nachhaltig verankert: Im Herbst letzten Jahres hat die gemeinnützige Sammlung Zander einen Ausstellungsraum in Köln eröffnet, in dem regelmäßig Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung stattfinden. Susanne Zander spendet nun die international einzigartige Spezialbibliothek zum Themenfeld der Sammlung Zander der Kunst- und Museumsbibliothek Köln (KMB), diese ist ab sofort dort für Recherchierende nutzbar. Das Archiv von Charlotte Zander als Sammlerin, Galeristin und Museumsgründerin schenkt sie dem ZADIK, wo es für die Forschung erschlossen wird. Geplant ist eine Themenausstellung des ZADIK für das Jahr 2025.
Nadine Oberste-Hetbleck, ZADIK-Direktorin, freut sich: „Mit dem umfangreichen Archivbestand zur Arbeit von Charlotte Zander besitzt das ZADIK nun einen hochkarätigen Quellenfundus, der Einblicke seit Beginn ihrer Sammlungsaktivitäten in den 1950er Jahren gibt. Da sie ihre persönliche Leidenschaft auch zum Beruf machte und als Galeristin sowie später als Museumsgründerin in Erscheinung trat, können wir anhand des Archivs auch Informationen zu den internationalen Netzwerken des Handels und der Museen zur ‚Naiven Kunst‘ erhalten.“
Susanne Zander, Geschäftsführerin der Sammlung Zander, ist überzeugt, dass durch die Schenkungen neue Möglichkeiten für die Forschung und Sichtbarkeit der Kunst der Autodidakt:innen und Outsider Art geschaffen wurden: „Es ist ein Ziel unserer Arbeit mit der Sammlung Zander, die akademische Auseinandersetzung mit dieser Kunst zu ermöglichen und zu fördern. Wir wollen Köln als zentralen Standort für diese Forschung etablieren. Die Schenkung, die auch meine persönliche umfangreiche Bibliothek zur sogenannten Outsider Art umfasst, ist ein Schritt dahin. Wir entwickeln außerdem mit der Sammlung neue Projekte, die unsere Ausstellungen diskursiv und wissenschaftlich erweitern und verhandeln.“
Elke Purpus, Direktorin der KMB, lädt alle Interessierten zur Recherche ein: „Wir konnten bereits 2.449 Publikationen in unserem Online-Katalog erfassen – die Arbeiten sind so gut wie abgeschlossen. Wir freuen uns auf zahlreiche Nutzer:innen der Bibliothek Zander.“
Das Modell, Archiv und zugehörige Spezialbibliothek in Köln zu verankern, haben das ZADIK und die KMB bereits in mehreren Fällen erprobt und sehen dies als zukunftsweisendes Konzept: „Ein kurzer Weg liegt nur zwischen den beiden Institutionen, der Forscher:innen bestmögliche Zugänge zu zusammenhängenden Beständen ermöglicht: Das möchten wir weiter ausbauen.“